I. Eingangsphase (Sprechstunde / Probatorik)
In der ersten Sitzung lernen wir uns kennen: Sie erläutern mir Ihr Anliegen und ich beschreibe die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, Sie psychotherapeutisch zu unterstützen. Darüber hinaus besteht für Sie auch Gelegenheit, die "Chemie" zwischen uns zu prüfen. Sie sollten sich wohl fühlen und verstanden wissen.
In den folgenden Stunden werden Ihr Anliegen und die Voraussetzungen für eine Therapie im Detail geprüft: Biographie, Analyse der konkreten Problem im Einzelnen wie im Gesamtzusammenhang Ihres Lebenskontexts, ggf. eine klinische Diagnose, eine vorläufige Zielvereinbarung und mögliche Wege, diese zu erreichen, Ressourcenanalyse und eine prognostische Einschätzung von Veränderungswahrscheinlichkeit. Für manche Fragestellungen bietet sich zusätzlich eine testpsychologische Untersuchung an.
All diese Informationen werden zu einem sog. bio-psycho-sozialen Modell zusammengefasst und im Verlaufe der Therapie kontinuierlich an die Erkenntnisse des laufenden Prozesses angepasst.
Spätestens nach der 5. Stunde werden wir gemeinsam die Entscheidung treffen, ob 1. eine Therapie sinnvoll ist, 2. Sie diese bei mir durchführen und 3. ob flankierende Maßnahmen hilfreich sein könnten. Sollten sich anderes Setting (stationär in einer Klinik, Beratung etc.), eine andere Therapierichtung oder andere Kollegen (Spezialgebiet, anderes Geschlecht) als eine bessere Alternative für Sie darstellen, so wird ein Richtungswechsel in Erwägung gezogen.
Wenn wir zusammenarbeiten, werde ich bei Ihrer Kasse einen Antrag auf 12 / 24 / 60 oder max. 80 Stunden stellen. Eine Therapie hat immer einen Anfang und ein Ende.
II. Therapiephase
Wie gehen wir formal vor?
Nach der Eingangsphase werde ich bei gegebener Indikation und beidseitigem Einverständnis, eine Therapie zu beginnen, bei Ihrer Kasse die formalen Bedingungen für eine Kostenübernahme schaffen. Die Kosten einer Psychotherapie werden von den gesetzlichen Kassen zu 100% übernommen. Bei privaten Versicherungen ist die Höhe der Kostenerstattung abhängig von den individuellen Konditionen mit den Krankenkassen.
Wie häufig und wo treffen wir uns?
Ist der Antrag bewilligt, steigen wir in den therapeutischen Prozess ein. In der Regel treffen wir uns einmal in der Woche; es kann aber auch sinnvoll sein, niedrigschwelliger zu arbeiten. Die Therapiestunden finden meist in den Therapieräumen statt. Darüber hinaus werden, je nach Bedarf, gerne auch einzelne Therapie-Einheiten "in´s Feld" verlagert, dorthin, wo sich neue Erfahrungen zielführend einrichten lassen.
Wie wird der Prozess strukturiert und gestaltet?
Der therapeutische Prozess ist zu jedem Zeitpunkt transparent, es gibt keine "Psychospielchen". In manchen Phasen gehen wir hoch strukturiert vor und dann wieder gibt es Phasen, in welchen wir uns bewusst auf die sich ergebende Dynamik einlassen und Erfahrungen sammeln (um sie dann wieder strukturierend einzuordnen und planend zu verarbeiten).
Bei alledem sitzen wir gewissermaßen für eine kurze Strecke Ihres Lebens gemeinsam in einem Boot und es braucht unser beider Engagement und Kraft, um ihm den rechten Impuls zu geben.
Die Basis aller zum Einsatz gebrachten Techniken ist die sog. "therapeutische Beziehung", die sich im Laufe der Zeit ergibt. Häufig laufen innerhalb der therapeutischen Beziehung jene Muster ab, die auch außerhalb des Therapieraums walten und die möglicherweise ein Teil des Problems sein können; dies ist mal mehr und mal weniger explizit sichtbar. So kann es sein, dass sich im Mikrokosmos (Therapiesituation) der Makrokosmos (Ihre Erfahrungswelt) abbildet. Ein entscheidender Unterschied liegt jedoch darin, dass Sie im therapeutischen Kontext eindeutige und klare Rückmeldung erhalten (z.B. darüber wie Sie wirken, was Sie in Anderen auslösen etc.), da die Kommunikation abseits sozial gängiger Konventionen und Friedhöflichkeiten (Schulz von Thun) verlaufen. Die Uhren ticken hier anders, es gelten andere Regeln. Dies hat den Vorteil, dass wir gemeinsam erforschen können, woher Ihre Verhaltensmuster stammen, weswegen Sie sie entwickelt haben, welche Funktion sie hatten und haben, weshalb sie Ihnen ggf. das Leben schwer machen und warum Sie sie nicht loswerden.
Was geschieht zwischen den Therapiestunden?
Ein wichtiger Teil der Therapie findet zwischen den Stunden, also mitten in Ihrem Leben, statt. Dort also wo sie Erkenntnisse und Impulse aus den Sitzungen in Ihrem Alltag, z.T. instruiert in Form von Aufgaben, umsetzen und deren Konsequenzen bewusst erfahren. In regelmäßigen Abständen und immer bei Bedarf setzen wir neu Erfahrenes in Bezug zu ihrem individuellen Modell. Auf diese Weise können wir regelmäßig die Ziele und unsere Maßnahmen überprüfen und ggf. eine Richtungsänderung vornehmen.
III. Abschlussphase
Eine Therapie findet immer einen Abschluss und ist nicht auf Dauer ausgelegt. Gegen Ende der Therapie finden die Stunden in größeren Abständen statt um eine schrittweise Ablösung zu initiieren. Auch erfolgt nun verstärkt der Transfer des Erlernten in den Alltag. Zudem stellen wir gemeinsam Überlegungen an, wie Sie Rückfälle in alte Muster vermeiden oder gegebenenfalls mit diesen umgehen können.
Die bekannten Psychotherapieforscher rund um das Team von Klaus Grawe werteten mehrere tausend Therapiestudien aus, um herauszufinden, ob und wie Psychotherapien wirken. Fakt ist, dass die Wirkung der Richtlinienpsychotherapien (analytische und tiefenpsychologische Ansätze, systemische Therapien und Verhaltenstherapie) sehr differenziert und ausführlich erforscht ist und in Bezug auf ihre Wirksamkeit kein Zweifel mehr besteht.
Die Frage nach der Wirkungsweise ist eine methodische Herausforderung und gewiss nicht erschöpfend zu beantworten - zu komplex sind der Mensch und die unzähligen, ihn beeinflussenden Faktoren. Dennoch finden sich Hinweise. Faktoren, die zur positiven Wirkung einer Psychotherapie beitragen, wurden von Grawe in den folgenden 5 Kategorien zusammengefasst. Die notwendige (aber nicht hinreichende) Grundlage ist eine gute "therapeutische Beziehung" zwischen Therapeut und Klient. Darüber hinaus sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
1. Ressourcenaktivierung
Hier geht es darum, Ihre vorhandenen Fähigkeiten und Stärken zu finden, zu analysieren und zielführend zu nutzen. Dies können z.B. ein scharfer Verstand, ein ausgeprägtes Körpergefühl, Fleiß, Kreativität, Spiritualität, Lebenserfahrung oder Freunde und Familie sein.
2. Problemaktualisierung
Dies bedeutet, dass das Problem innerhalb der Therapie nicht nur besprochen, analysiert und rational verstanden, sondern erlebt werden soll - im Hier und Jetzt, im Kontakt / in Beziehung zu Ihrem Therapeuten und in der Zeit zwischen den Therapiestunden. Aktualisierung bedeutet in diesem Zusammenhang also, eine (u.U. bewusst herbei geführte) Konfrontation / Wieder-Inszenierung der problematischen Situationen und Verhaltensweisen, aber nicht um erneut in ihnen unterzugehen, sondern um sie nun stufenweise und mit Unterstützung verstehen und bewältigen zu lernen - und zwar live, direkt und "in Farbe", anstatt im Nachhinein und theoretisch. Im Rahmen der Therapie wird der Versuch unternommen, mit adäquaten Maßnahmen, die auf die jeweiligen Personen zugeschnitten sind, eine solche Aktualisierung zu bewirken.
Ein typisches Beispiel ist die Konfrontation bei Ängsten oder Zwängen. Oder das Erleben, dass Sie typische Verhaltens- und Erlebensmuster plötzlich in der therapeutischen Beziehung wiederholen. Auch bestimmte immersive Atemübungen können ein intensives Erleben von Gefühlen und Muster hervorrufen.
3. Aktive Hilfe zur Problembewältigung
Wenn also, wie unter Punkt 2 geschildert, das Problem aktualisiert ist und Sie mitten im Geschehen Ihrer Emotionen und Muster stehen (Angst, Zwang, Sinnlosigkeit, Selbstverletzungsimpuls, zwischenmenschliche Konflikte ... ), werden Sie - diesmal als Zeuge - beobachten, was mit Ihnen geschieht und wir werden nun gemeinsam aktiv Wege zur Bewältigung suchen und erproben. Solche Wege können z.B. Entspannungsverfahren, Körper- und Atemübungen, Achtsamkeits- und Problemlösetrainings, Rollenspiele und Verhaltensexperimente sein.
4. Therapeutische Klärung
Hierbei geht es um ein zusammenhängendes Verständnis der Ursachen von Problemen und all der Faktoren, die dazu beitragen, dass sie sich hartnäckig halten können. Die Analyse aller bedingenden Faktoren führt zu einem individuellen bio-psycho-sozialen Arbeitsmodell, das die Grundlage der Therapie bildet und im Laufe der Therapie kontinuierlich weiter differenziert wird. Daraus leitet sich der methodische Teil der Therapie ab. Betroffene erhalten ein Verständnis für ihr Erleben, ihr (Nicht-) Fühlen, ihr Denken und ihr (Nicht-)Handeln. Sie erfahren über sich eine komplexe Geschichte. Vielleicht ist diese Geschichte nur eine Konstruktion? Vielleicht ist sie nah an der Wirklichkeit? Menschen streben danach, die Bestandteile ihres Erlebens in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Diese Klärung bereits, diese Geschichte also, wird als hilfreich erlebt und eröffnet Räume, in denen Betroffene mehr Selbstwirksamkeit und somit innere Freiheit erfahren.
5. Therapeutische Beziehung
Die Beziehung, die sich innerhalb eines therapeutischen Prozesses entwickelt ist einzigartig. Sie entwickelt sich im Laufe der Zeit. Häufig laufen innerhalb der therapeutischen Beziehung jene Muster ab, die auch außerhalb des Therapieraums walten und die möglicherweise ein Teil des Problems sein können; dies ist mal mehr und mal weniger explizit sichtbar. So kann es sein, dass sich im Mikrokosmos (Therapiesituation) der Makrokosmos (Ihre Erfahrungswelt) abbildet. Ein entscheidender Unterschied liegt jedoch darin, dass Sie im therapeutischen Kontext eindeutige und klare Rückmeldung erhalten (z.B. darüber wie Sie wirken, was Sie in Anderen auslösen etc.), da die Kommunikation abseits sozial gängiger Konventionen, Rücksichtnahmen und Friedhöflichkeiten (Schulz von Thun) verlaufen. Die Uhren ticken hier anders, es gelten andere Regeln. Dies hat den Vorteil, dass wir gemeinsam erforschen können, woher Ihre Verhaltensmuster stammen, weswegen Sie sie entwickelt haben, welche Funktion sie hatten und haben, weshalb sie Ihnen ggf. das Leben schwer machen und warum Sie sie nicht loswerden.
Zerrissenheit, Leid und Unglück sind ein natürlicher Teil unserer menschlichen Existenz. Jeder Mensch erlebt zeitweise bedrohliche und beängstigende Gefühle und Zustände wie Ängste und Sorgen, Traurigkeit, (Selbst-)Zweifel, zwischenmenschliche Konflikte, Müdigkeit und Antriebslosigkeit, süchtiges oder zwangsähnliches Verhalten, Sinnkrisen und Leistungsversagen.
Wo aber verläuft die Trennlinie zwischen normalem Leid und behandlungsbedürftigem Leid?
Prinzipiell gilt, dass die Indikation für eine psychotherapeutische Behandlung dann gegeben ist, wenn die belastenden Zustände sehr intensiv erlebt werden und / oder langandauernd bestehen sowie aus eigener Kraft oder auch mit Unterstützung von Freunden / Verwandten nicht mehr bewältigt werden können. In einem solchen Fall sollte ebenso wenig wie bei körperlichen Erkrankungen Scheu bestehen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Folgende Krankheitsbilder, Probleme und Beschwerden, können Anlass sein, einen Psychotherapeuten aufzusuchen:
* Depressive Zustände (z.B. Gefühle der Leere, Sinn- und Hoffnungslosigkeit, chronische Erschöpfungszustände, Antriebs- und Lust- und Interesselosigkeit) / Burn-Out
* Leistungsversagen
* Angstzustände, Panikattacken, Phobien
* Zwangshandlungen und Zwangsgedanken
* Selbstwert-, Selbstbild- und Identitätsprobleme
* Sich wiederholende Probleme in Beziehungen mit anderen * Probleme in der Regulierung von Gefühlen
* Selbst- und Fremdverletzendes Verhalten (Aggressivität)
* Anpassungsstörungen (im Umgang mit neuen Situationen
* Bindungsängste
* Lern-, Arbeits- und Konzentrationsstörungen
* Essstörungen
* Chronische Überforderung, "Burnout", und andere Belastungsreaktionen, z.B. infolge von Verlusterlebnissen oder Mobbing
* Posttraumatische Belastungsstörungen nach einschneidenden Ereignissen
* Persönlichkeitsstörungen
* Suchterkrankungen (z.B. Suchtmittel, PC, Essen, Bziehung, Sex)
* Schmerzen, die sich körperlich nicht erklären lassen
* Funktionelle Störungen (häufig wiederkehrende Beschwerden aller Art wie z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Atemnot, Herzschmerzen etc. ohne feststellbare körperliche Ursache)
* Nicht organisch bedingte sexuelle Störungen
* Bei erschwerter Bewältigung von körperlichen und seelische Krankheiten, z.B. Krebs, Psychosen und bipolaren Erkrankungen
* Begleitend zu medizinischen Maßnahmen bei organischen Störungen (z.B. bei chronischen Erkrankungen, starken Schmerzzuständen, neurologischen Störungen, Herz-Kreislauferkrankungen, nach oder vor Operationen und Ähnliches).
Praxis für Psychotherapie
Dr. Sepideh Maria Ravahi
Prüfeninger Str. 46
93049 Regensburg
Telefon 0941-5999679
Fax 0941-38101452
Mail ravahi@t-online.de
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